DIE oder DER oder DAS Kunst”

Wenn ich meine Arbeiten ausstelle kriege ich so manches Feedback, das ist gut so, ohne konstruktive Kritik geht’s nicht voran. Aber es gibt auch anderes Feedback, das weniger nützlich ist und eine Bemerkung muß ich doch mal näher betrachten:

“Ihre Bilder sind so…. weiblich”

Tja, so dahingeschrieben ist es ein profaner Satz, aber wir wissen ja wie das ist mit der subjektiven Wahrnehmung und Aussage:

Ob das nun eine Therapeutin, ein pensionierter Lehrer und Kunstliebhaber, eine ältere Dame sagt – der gleiche Satz klingt völlig anders – im positiven wie im negativen Sinne.

Alsooooo, einfach gesagt bin ich eine Frau, also sind meine Bilder wegen meiner subjektiven Wahrnehmung und dem, was ich darüber aussagen will – weiblich.
Ich halte das “Problem” ja für irgendwie antiquiert, muß ich gestehen, (mir fallen da aber auch noch andere Begriffe ein…), weil ich nicht verstehe, was das Problem daran ist. Ich meine, hat beispielsweise Picasso jemals jemand vorgeworfen, daß seine Bilder so männlich sind?
Wäre ja auch albern?
EBEN!

Es gibt so viele Bestrebungen in der Kunst, also wenn ich als Weib meine weibliche Sicht bestimmter Objekte oder Situationen darstelle, ist meine Arbeit dann schlechter als die vom Kollegen, der sich mit Politik, Aktmalerei oder Phallussymbolen beschäftigt?
Es gibt andere Kriterien, ehrlich! Als daß man(n) sieht, daß die Bilder von einer Frau gemalt wurden.
Sagen wir, die Arbeiten sind “schlecht gemacht” – eine Qualitätsfrage eben,
oder zu bunt oder zu monoton – eine Geschmackssache, darüber läßt sich ja nun lange streiten.
Aber bitte:
Verschont mich mit diesem “irgendwie weiblich” und “weibliche Motive” mit diesem ganz bestimmten Unterton.

Über Georgia O’Keeffees Bilder hat mal ein Mann sinngemäß gesagt:
“Alles, was diese Bilder aussagen ist, ich will ein Baby!”

Hmmm, lange her, sagen Sie?
Tja, ich hoffe, Sie haben Recht.

Es gibt da so ein paar interessante Fakten, wie zum Beispiel:

Marktpreise von Kunstwerken weiblicher Kunstschaffender sind niedriger als die eines gleichgestellten/gleichwertigen Künstlers – lebender wie toter übrigens.

Retrospektiven und Museumsausstellungen finden für Künstlerinnen erst viel später statt, bei ähnlicher Laufbahn im Vergleich zu einem männlichen Künstler.

Meine Lieblings-Seite zu dieser Art Thema ist

www.guerillagirls.com

was man jetzt leider kopieren und in den Browser einfügen muss, um zu dieser Seite zu kommen, weiss der Geier, warum man hier keine Links einfügen kann…aber es lohnt sich diese Seite zu besuchen – wenn man Humor hat.

“Kunstpreis oder der Preis, ein Künstler zu sein”

Auch für diesen Artikel gilt: Vor einigen Jahren zu einem konkreten Anlass verfasst und geschrieben, heute noch genauso aktuell für mich, daher in meinem Archiv.

Kunstwettbewerbe, Ausschreibungen, Kulturförderung etc. sind ein reichhaltiges Thema. Im Prinzip ist Kunst- und Kulturförderung eine gute Sache, aber … Auch in Nordhessen wird gefördert. Ein Hotel, das sich zusammen mit einer Agentur einen Kunstpreis ausgedacht hat, ist Ausgangspunkt für diesen Text.

I
Also, da flattert mir so ein Schreiben ins Haus, ein Hotel fordert professionelle Künstler und Künstlerinnen auf, Werke einzureichen. Davon werden dann mittels einer Jury einige ausgewählt und dann zeigen ALLE ausgewählten Kreativen ein Jahr lang 4 – 6 ihrer Arbeiten im Hotel (Lobby und Zimmer), zahlen die Versicherung aus eigener Hand und am Ende des Jahres wird der Preisträger ausgerufen. Der bekommt dann das Preisgeld von ein paar tausend Mark, dafür schenkt er dem Hotel eine Arbeit im Wert von 3000 DM (oder er bekommt einen kleineren Preis und ein Werk in Höhe von 3000 DM wird angekauft – das ist Ansichts- oder Definitionssache). Abbildungen seiner Arbeiten lässt der Künstler unentgeltlich für die Austellungsdauer zwecks Werbung zu. Ich schmeisse den Wisch weg.

II
Ein zweites Schreiben kommt an. Die Bedingungen sind leicht geändert worden, der Kunstschaffende zahlt jetzt doch nicht selber die Versicherung und es sollen auch nur zwei Arbeiten für ein halbes Jahr und dann zwei weitere für das zweite Halbjahr aufgehängt werden (nur in der Lobby). Ausserdem gibt es eine Vernissage, eine Midissage und eine Finissage. Hmm, schauen wir uns mal die Räume an: Grossgemusterter Teppich in sehr lauten Farben, die verhindern, dass man die Krümel sieht, die vom Esstisch fallen – der Speisesaal als Galerie. Indirekte Beleuchtung, pinkfarbener Satin über den Büffett-Tischen – alles in allem fällt es einem nicht schwer, was auch immer an der Wand hängt, zu übersehen. Ich beschliesse, meine Arbeiten dem nicht auszusetzen.

III
Die Vernissage: Ich erklimme die Treppe, da steht eine lange Schlange, gute Güte, so voll hier? Dann erkenne ich den Grund, am Eingang ein Tisch mit einem Schild, auf dem steht: “Bitte tragen Sie sich in die Anwesenheitsliste ein!” Ich fühle mich irgendwie genötigt. Die Vernissage ist gut besucht. Ich erkenne viele aus der “Kunstszene”, mir begegnen auch Künstler mit einem grossen Namensschild – aahh, das sind die Beteiligten. Es gibt einige Vorträge, einer davon erinnert an eine Wahlrede (da war doch was – demnächst…). Schliesslich kommt man zum Wesentlichen, der Künstlerförderung. “Wussten Sie, ” fragt die Vortragende, “dass der durchschnittliche Künstler in Deutschland nur 20000 DM im Jahr verdient?” “Was? So viel?” fragt entrüstet jemand neben mir, ich schaue hin, es ist jemand mit Schild – uups.

IV
Zur Midissage ist die Besucher- und Künstlermenge gelichtet. Einige Bilder wurden ausgetauscht, andere nicht. Weniger Rede, einen Teil glaube ich bereits zu kennen – eine schöne Laudatio auf den Preisträger wird gehalten, an der besten Stelle tönt eine aufdringliche Handy-Melodie durch den Raum und zwischendurch hört man Handwerkergeräusche. Ich kann nicht ausmachen, ob etwas verkauft wurde. Das Finissage-Datum ist der 31.12..

Nachsatz
Kunstförderung ist eine gute Sache. Aber wenn sich das Mäntelchen der Kunstförderung umgehängt wird, um kostenlose Werbung und dazu noch so gut wie kostenlose Dekoration durch Originalkunst für EIN Jahr zu haben, dann fange ich an am Wert der Aktion zu zweifeln. Die Forderung nach Ausstellungshonoraren mal beiseite gelassen: Die Ausstattung einer Räumlichkeit kostet bei einer Galerie selbst bei Anmietung der Werke, sehr viel Geld. Internationale Kontakte, die sich dadurch für den Ausstellenden ergäben, wurden mehrfach angepriesen – aber Hand auf’s Herz, würden Sie ein Kunstwerk kaufen, dass in einem Hotel in einer fremden Stadt hängt, in einem Raum, wo Sie vielleicht nur Ihr Frühstück einnehmen? Offen bleibt die Frage: War das ein netter Versuch, der etwas ungeschickt angegangen wurde, oder eine Aktion aus reinem Eigennutz der Veranstaltergemeinschaft?

“Der Preis der Kunst”

Neulich hatte ich mal wieder eine Ausstellung, es waren nicht meine Arbeiten, das heisst, in diesem Falle bin ich dann nicht mehr Künstlerin, sondern Galeristin – könnte man sagen.
Da kam eine Person herein, stellte mir viele Fragen und sah sich alles genau an. Kennen Sie das, wenn jemand Ihnen ständig das Gefühl gibt, mehr von Ihrem Job zu verstehen als Sie?
Egal, so was soll’s geben, aber dann sagte die Person: “Ich interessiere mich für diese Arbeit, Sie können Sie mir doch ruhig billiger geben, Sie müssen ja nicht davon leben…”

Diese Begebenheit brachte mich auf den Gedanken, mal ein paar Fragen und Betrachtungen in den Raum zu stellen.

Die Sache mit den Preisen von Produkten ist eine ganz spezielle Sache, besonders, wenn es keine Richtpreise gibt, wie das ja nun auf dem sogenannten Kunstmarkt der Fall ist. Was ein Liter Milch in Deutschland durchschnittlich so kostet, ist leicht festzustellen, bei einem Bild, einer Zeichnung sieht die Sache schon ganz anders aus.

Mal abgesehen vom Euro, der ja auch gerne Teuro genannt wird, was darf ich als Künstlerin denn für meine Arbeit berechnen?
Es ist wirklich Arbeit, wie alle Kunstschaffenden wahrscheinlich bestätigen werden, selbst wenn ein Werk in kurzer Zeit hergestellt wird, wieviel Arbeit hat es gebraucht so professionell zu werden?

Aber da sind weitere Fragen:
Berechtigt mich ein nachgewiesenes Studium, das heisst eins mit offizieller Bestätigung einer Universität desselben dazu, mehr Geld für meine Malerei zu nehmen?

Andersherum, auch wenn ich jahrelang an meinem Talent gearbeitet habe, was man am Ergebnis meiner Arbeiten sehen kann, aber keine offizielle Bestätigung der Universität habe, muss ich meine Arbeiten dann zu Schleuderpreisen hergeben?

Ist ein nachgewiesenes Studium wirklich ein BEWEIS für Kreativität und gute Arbeit?

Handeln Sie immer die Preise herunter? Auch beim Bäcker? Oder, wenn Sie sich ein ungerahmtes Poster bei einem Großhändler kaufen, das
a) kein Einzelstück ist
b) vermutlich nicht von jemand ist, den Sie persönlich kennen und
c) wahrscheinlich im besten Falle Erben bereichert, den möglicherweise toten Künstler aber nicht mehr.

Wieviel ist es Ihnen wert, dass in unserer Gesellschaft Kunstschaffende versuchen, diese zu verändern, zu bereichern oder etwas zu bewegen?

Gehen Sie auf Vernissagen, um Ihre Freunde oder “Kunst” zu sehen?

Glauben Sie, dass gute Künstler es schon schaffen werden oder würden Sie sie doch lieber dabei unterstützen?

Glauben Sie, dass gute Kunst nur in Museen und renommierten Galerien zu finden ist? (Was auch immer genau unter beidem zu verstehen ist)

Ist Kunst im Privatraum ein Statement, eine Lebensphilosophie oder eine Frage des Geschmacks und/oder des Innenarchitekten, den man beschäftigt?

Würden Sie eine staatliche Unterstützung für freie Kunstschaffende befürworten oder sollte es die nur für Institutionen und Vereine geben?

Erinnern Sie sich manchmal daran, daß Künstler, deren Bilder heute für aberwitzige Millionenbeträge verkauft werden, zu ihren Lebzeiten am Hungertuch genagt haben und vielleicht noch mehr Meisterwerke gemalt hätten, wenn Sie nicht Aushilfsjobs hätten machen müssen, um mal wieder etwas zu essen und Leinwand kaufen zu können?

“Wissen Sie, wir leben in einer Marktwirtschaft…”

Diesen Artikel habe ich vor einigen Jahren verfasst, seitdem hat sich aber diesbezüglich nicht viel zum Besseren verändert – eher das Gegenteil – daher ziehe ich ihn gerne in den neuen Blog um.

Die neuen Medien sind toll, ich erhalte neben obskuren Pornoangeboten und prima Supersonderangeboten auch hin und wieder richtig schöne Mails. Eines Tages schreibt mir auch ein Galerist – klingt erstmal gut:

“liebe künstlerin, durch das internet bin ich auf ihre kunst aufmerksam geworden, die mir sehr gut gefällt; 2003 möchte ich wieder mit der galerie auf die KUNSTMESSE SALZBURG gehen und auf die ART BODENSEE; falls sie interesse an einer teilnahme haben, lassen sie es mich bitte wissen, und ich maile ihnen umgehend die infos zu; ausstellungen in der galerie in MANNHEIM sind wieder ab 2004 möglich; bitte schauen sie doch auch einmal auf meine homepage unter www.XY.de, um sich zu informieren….freue mich, wieder von ihnen zu hören und grüsse herzlich ihr XY”

Ich forder mehr Infos an. Da kommen drei Mails, die alle einen schicken Vertrag enthalten, ein paar interessante Details für die Galerie-Ausstellungen, wobei die Galerien Bürohäuser sind:

“—-
Ausstellungsdatum: Februar04-Juli04 – März 04-August 04 – etc. also jedes Mal vier Monate
Vernissage: wird noch mitgeteilt

Abholung der Kunstwerke sofort nach Ausstellungsende sowie persönlicher Rücksprache mit der Galerie. Die Kunstwerke sind nach Ausstellungsende nicht mehr versichert, können nicht gelagert werden und werden bei Nichtabholung auf Kosten der betroffenen Künstler per Spedition zurückgesandt.

Kostenbeteiligung der Künstlerin/des Künstlers:
800 EURO zahlbar wie folgt: 400 EURO bei Vertragsabschluß zu überweisen auf folgendes Konto: XY der Rest zwei Monate vor Ausstellungsbeginn.
Ausstellungsversicherung während des Ausstellungszeitraumes (max. 12500 EURO pro Teilnehmer/in); es gelten die Daten auf der Einladungskarte
Für Papierarbeiten sind keine Glasrahmen verfügbar und müssen vom Künstler/von der Künstlerin selbst organisiert werden.

Die Hängung/Reihenfolge der Kunstwerke ist alleinige Sache und Aufgabe der Galerie und wird ausschließlich ohne die gleichzeitige Anwesenheit der Künstler/innen von der Galerie ausgeführt.
Während der Ausstellungsdauer ist es dem Künstler/der Künstlerin untersagt, ausgestellte Werke zu verkaufen oder dafür innerhalb oder außerhalb der Galerie zu führen. Der/die Künstler/in darf auch keinerlei Verkaufsangebote für einen späteren Zeitraum für diese Kunstwerke abgeben oder sonstige Verhandlungen in diesem Zusammenhang führen. Es gilt bei Zuwiderhandlung durch den Künstler/die Künstlerin ausdrücklich eine Vertragsstrafe in Höhe des zweifachen Verkaufspreises des/der betreffenden Kunstwerk(e)s als vereinbart. Der/die Künstler/in anerkennt diesen Sachverhalt mit seiner Unterschrift.

Die Teilnahme an der Ausstellung beinhaltet keinerlei Verkaufsgarantie.
—-”

Noch ein paar interessante Details für die Messe-Teilnahmen:

“—-
Die Galerie präsentiert den Künstler/die Künstlerin gemeinsam mit anderen Künstlern der Galerie auf der Kunstmesse Salzburg/ ART BODENSEE (Dornbirner Kunstmesse) in Österreich.

Die Auswahl der Kunstwerke obliegt der Galerie: diesbezüglich sind von den Künstlern Fotos von den auszustellenden Werken einzureichen.
Die Präsentation auf einer Messe ist besonders wichtig; deshalb präsentieren wir von jedem Künstler/jeder Künstlerin Werke nur in einer sehr reduzierten und konzentrierten Form (nach gegenseitiger Absprache).
Anlieferung und Abtransport der Kunstwerke obliegt dem Künstler/der Künstlerin nach Absprache mit der Galerie.
Der Künstler/die Künstlerin wird im offiziellen Messekatalog der Kunstmesse genannt.
Über den Stand der GALERIE auf der Kunstmesse Salzburg wird im Kunstfachmagazin ARTPROFIL berichtet werden.

Darüber hinaus gibt die Galerie einen eigenen Katalog mit den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern der Galerie heraus: jeder Künstler/jede Künstlerin erhält zwei Seiten: je eine s/w-Seite mit Vita und eine Seite mit einer farbigen Abbildung.
Der Künstler/die Künstlerin darf selbstredend während der gesamten Ausstellungsdauer im Salzburger Messezentrum anwesend sein.
Dem Künstler/der Künstlerin entstehen keine weiteren Ausstellungskosten.

Der Teilnahmebetrag des Künstlers/der Künstlerin beläuft sich auf 1090 EURO / 1980 EURO und ist bei Vertragsabschluß in voller Höhe und ohne Abzug auf folgendes Konto zu überweisen.
—-”

Na danke!
Also, um es gleich vorneweg zu sagen, ich habe nichts gegen Kostenbeteiligung, aber bei den Summen, die dieser Herr Galerist veranschlagt, frage ich mich dann doch, wofür?

Keine Galeriekosten in Form von Miete, wahrscheinlich wird der Mann sogar von den Bürohäusern für die Ausstattung ihrer Wände mit Originalkunst bezahlt. Wenn nicht, sollte er das aber werden, ist doch tolles Marketing für die Firmen…
Und für 1000-2000 Euro kann ich mich vermutlich selber, wenn auch vielleicht nur mit einer Staffelei auf eine Kunstmesse stellen, aber dann falle ich auch auf…

Na also, ich habe dann noch ein paar Fragen gestellt, besonders weil ich wenige Tage später dieselbe Anfragenmail nochmal bekam. Da hatte mir der Mann aber die Verträge schon zugesendet.
Eine Massenmail an Kunstschaffende im Netz, da fühlt man sich doch wirklich wahrgenommen…

“Hallo XY
da kommen mir gleich einige Fragen in den Sinn:
Laut Ihrem Vertrag, für Mannheim beispielsweise, garantieren Sie bei den Summen, die Sie für die Teilnahme an den von Ihnen vorgestellten Veranastaltungen verlangen, nicht mal Ankäufe?
Bei der Kostenbeteiligung, die Sie erwarten, braucht es aber schon eine Motivation:
Was verkaufen Sie durchschnittlich denn so pro Ausstellung in Euro?
Wieviele Einladungen lassen Sie drucken und versenden Sie?
Farbig oder SW, Doppelkarten oder einfache Postkarten?
Wieviele davon bekomme ich, wenn überhaupt, zum Versenden?
Was sind das für geladene Gäste, haben Sie Kunstsammler, Stiftungen, andere Galeristen, Vertreter von ankaufsinteressierten Institutionen dabei?
Wieviele E-Mails versenden Sie durchschnittlich?
Wer kriegt die drei Pressemappen, nur lokale Zeitschriften?
Gibt es Plakate?
Wieviele Besucher haben Sie durchschnittlich auf den Vernissagen?
Wie genau sieht Ihre professionelle Ausstellungsbetreuung aus?
Arbeiten Sie auch über die Vernissage hinaus an einem Verkauf der Bilder/Objekte?
Die Firmen, in deren Räume Sie ausstellen, sind meines Erachtens keine außerordentlich Motivation, es sei denn, die kaufen regelmäßig an.
Die Versicherungssumme bei Ihren Ausstellungen von 12500 Euro (oder ist das ein Druckfehler) erscheint mir etwas niedrig, muß ich sagen, wenn Ihre Ausstellungsbestückung in der Regel von 10 – 20 Arbeiten ausgeht.

Ganz besonders irritiert mich, daß Sie, nachdem Sie eine Rückfrage von mir bezüglich Ihrer Aktivitäten erhalten haben, ich eine weitere allgemeine Anfragenmail von Ihnen bekommen habe.
Das läßt darauf schließen, daß Sie Massenmails verfassen, was mich vermuten läßt, daß Sie meine Arbeiten nicht wirklich wahrgenommen haben – schade eigentlich.
Ich bin auf Ihre Antworten gespannt.
AZ”

Hier seine Antwort

“iebe frau zuber, vielen dank für ihre anfragen; aber da ihnen meine galerien nicht gefallen, sollten wir doch auf eine zusammenarbeit verzichten; falls sie meine homepage aufmerksam gelesen haben, wissen sie, warum ich mit firmen zusammenarbeite, das ist in der regel erfolgreicher als in museumsähnlichen galerieräumen, die kaum frequentiert werden; auf der homepage sind auch die farbigen einladungen etc. zu sehen; natürlich bekommt jeder künstler so viele einladungen wie er benötigt; wir verfügen ebenfalls über einen sehr großen verteiler und arbeiten mit der kunstfachzeitschrift ARTPROFIL zusammen, die über all unsere aktivitäten berichtet (was auch seinen preis hat); wie sie wissen, leben wir in einer marktwirtschaft,. und da entscheidet der kunde, was er kauft; ich kann ihm nur hilfestellung geben, der kauf ist freie entscheidung…da ich eine fehlermeldung über das system bekam, habe ich die mail ihnen nochmals zukommen lassen, die tücken der technik; ich wollte ihre fragen jedenfalls in der breite beantworten, obgleich ihren zeilen das desinteresse zu entnehmen war…aber kein problem; vielleicht schauen sie mal ins dezemberheft vom ARTPROFIL rein, da ist einiges zu lesen…oder sie schauen noch einmal ins internet unter “presse”, dort sind die berichte auch abgedruckt…liebe frau zuber, ich wünsche ihnen einen besinnlichen jahreswechsel und vor allem gesundheit für 2003…vielleicht höre ich ja wieder von ihnen…herzliche grüsse ihr

p.s. der verkauf ist unterschiedlich, je nachdem, ob die werke ankommen; wir haben im durchschnitt 150 besucher auf den vernissagen; natürlich kümmert sich die galerie über die vernissage hinaus um den verkauf; was denn sonst ist die aufgabe einer galerie?”

Alsoooo:
Als ein guter Galerist weiß man ja ungefähr, was beim geneigten Publikum ankommt, aber wenn man die Kunstwerke nach der Zahlungsbereitschaft oder -fähigkeit der Kreativen aussucht, sieht die Sache schon anders aus.
Klar gibt es keine Ankaufsgarantie, aber warum soll denn dann der Künstler garantiert bezahlen? Gleiches Risiko für alle!
Abgesehen davon, wenn die Firmen ihre Räume regelmäßig mit Originalkunst bestücken lassen, wäre eine Ankaufsgarantie das Mindeste, das gibt’s sogar im rückständigen Kassel an ein zwei Ausstellungsorten dank des Engagements eines ansässigen Galeristen.

Früher soll es ja mal Galeristen gegeben haben, die aus Überzeugung gehandelt haben, was nicht bedeutet hat, daß sie hungern mußten, aber sie haben die Kunstschaffenden nicht von vornherein zahlen lassen. Eines hat sich seitdem nicht wirklich geändert: daß die Kunstschaffenden selber meist verdammt wenig Geld haben und genau deswegen unter Umständen eher in Möbelhäusern ausstellen, weil die nämlich kein Geld nehmen sondern sich nur über die “Deko” freuen, was auch nicht wirklich sinnvoll für uns ist – aber es lebe die freie Marktwirtschaft….

Na also, ich lasse das dann mal lieber, ich kenne auch Galerien, die einen ohne Bezahlung ausstellen, es gibt sie noch…

Falls aber jemand dieses Angebot von dem Herrn mit den Büro-Galerien und den Kunstmessen wahrnehmen möchte, schreibe er/sie mir, ich lasse dann die Adresse rüberwachsen – aber wenn Ihre Arbeiten im Internet sind, wird er sie eines Tages von selbst finden und dann heißt es wieder: “liebe künstlerin……”