Rezension: Bis ans Ende der Meere – die Reise des Malers John Webber mit Captain Cook

Noch ein Roman aus meiner langen Liste an Literatur im Zusammenhang mit Malerei, den ich gelesen habe. Dieses Buch ist in diesem Jahr erschienen und wurde auch im ZEIT-Literatur-Magazin besprochen.

Die Geschichte
Die auf Fakten beruhende aber in großen Teilen erdichtete Geschichte des englischen Malers mit schweizerische Hintergrund – John Webber – wird hier erzählt.
Die Fotografie gab es in den Jahren 1776 bis 1780 noch nicht und so nahmen Zeichner an Expeditionen teil, um alles Wichtige festzuhalten.
Einige Motive darf der Maler allerdings nicht “wahrheitsgemäß” im Bild festhalten, um dem Publikum und der Nachwelt nur genau das zu hinterlassen, was James Cook für richtig hält und das britische Königreich gut aussehen lässt.
Es handelt sich um die dritte und letzte Südsee-Expedition von James Cook, die er nicht überleben wird.

Fern der Heimat
Mehr als drei Jahre verbringen die Männer auf See, die Bedürfnisse der Mannschaft auf engstem Raum bleiben nicht verborgen, Intrigen und Freundschaften werden auf engstem Raum geteilt. Dann, am 14. Februar 1779 stirbt Cook auf einer Hawaii-Insel, er wird ermordet.
Nach vier Jahre kehrt John Webber nach England zurück, aber die Reise hat ihn verändert, die Sehnsucht nach der Südsee und einer schönen und edlen “eingeborenen” Prinzessin lässt ihn nicht los.
Das Abbild dieser Dame ziert übrigens das Cover. Alt wird der Maler nicht, mit 42 Jahren stirbt er, verbittert oder zumindest desillusioniert.

Fazit – Lukas Hartmann: Bis ans Ende der Meere…
Der schweizer Autor Lukas Hartmann hat einen fesselnden historischen Roman und eine aufregende Reisebeschreibung entworfen. Geschickter Einsatz von Fakten und Fiktion schlüssig verknüpft und sprachlich weit besser als viele andere historische Romane.

“Die Fälscherin” von Beate Rygiert

Ich lese gerne Bücher, die etwas mit Kunst im weitesten Sinne zu tun haben, Sachbücher, Romane, Biographien und so weiter. Kürzlich fiel mir das – nicht mehr neue Buch – “Die Fälscherin” in die Hände.

Da ich ja selbst durchaus auch mal mit lehrreichem Kopieren alter und moderner Meister beschäftigt bin und auch mal im “Fälscheratelier” gearbeitet habe, musste ich es mir natürlich genauer ansehen. Nun stehe ich dem Buch leicht ambivalent gegenüber, denn es enthält einerseits interessante Details zur Malerei und Biographie der Malerin Sofonisba Anguissola, andererseits spielt ein Gutteil des Romans in einem Frauengefängnis der Neuzeit und da geht es nicht zimperlich zu. Zudem wird noch eine Art Geistesverwirrung beziehungsweise Wiedergeburtsphantasie thematisiert. Das heißt, in dem Geist der Protagonistin herrschen mehrere Frauen und ihre Erinnerungen, zum Einen eben die Malerin Sofonisba Anguissola, eine Mystikerin, die auf dem Scheiterhaufen verbrannte, eine Thai-Chi-Meisterin und die in der Gegenwart lebende Sofie. Das ist manchmal für mich als Leserin schwer auszuhalten gewesen, aus verschiedenen Gründen. Aber nichtsdestotrotz war ich schnell durch die “500-und-ein-paar-Zerquetschte” Seiten durch, also es war auf jeden Fall spannend  😉  und es hat viele schöne Details aus Geschichte und Malerei.

Außerdem kommt darin auch die Hofdame vor, die ich gemalt habe, Ana de Mendoza y de la Cerda, auch “Prinzessin Eboli” genannt sowie ihr Mann und der problematische König Philipp II. / Felipe II. im Buch genannt. Das hat mich natürlich sehr gefreut, so habe ich die spannende einäugige Fürstin und ihre Lebensumstände im Nachhinein noch ein bißchen besser kennegelernt .

DIE oder DER oder DAS Kunst”

Wenn ich meine Arbeiten ausstelle kriege ich so manches Feedback, das ist gut so, ohne konstruktive Kritik geht’s nicht voran. Aber es gibt auch anderes Feedback, das weniger nützlich ist und eine Bemerkung muß ich doch mal näher betrachten:

“Ihre Bilder sind so…. weiblich”

Tja, so dahingeschrieben ist es ein profaner Satz, aber wir wissen ja wie das ist mit der subjektiven Wahrnehmung und Aussage:

Ob das nun eine Therapeutin, ein pensionierter Lehrer und Kunstliebhaber, eine ältere Dame sagt – der gleiche Satz klingt völlig anders – im positiven wie im negativen Sinne.

Alsooooo, einfach gesagt bin ich eine Frau, also sind meine Bilder wegen meiner subjektiven Wahrnehmung und dem, was ich darüber aussagen will – weiblich.
Ich halte das “Problem” ja für irgendwie antiquiert, muß ich gestehen, (mir fallen da aber auch noch andere Begriffe ein…), weil ich nicht verstehe, was das Problem daran ist. Ich meine, hat beispielsweise Picasso jemals jemand vorgeworfen, daß seine Bilder so männlich sind?
Wäre ja auch albern?
EBEN!

Es gibt so viele Bestrebungen in der Kunst, also wenn ich als Weib meine weibliche Sicht bestimmter Objekte oder Situationen darstelle, ist meine Arbeit dann schlechter als die vom Kollegen, der sich mit Politik, Aktmalerei oder Phallussymbolen beschäftigt?
Es gibt andere Kriterien, ehrlich! Als daß man(n) sieht, daß die Bilder von einer Frau gemalt wurden.
Sagen wir, die Arbeiten sind “schlecht gemacht” – eine Qualitätsfrage eben,
oder zu bunt oder zu monoton – eine Geschmackssache, darüber läßt sich ja nun lange streiten.
Aber bitte:
Verschont mich mit diesem “irgendwie weiblich” und “weibliche Motive” mit diesem ganz bestimmten Unterton.

Über Georgia O’Keeffees Bilder hat mal ein Mann sinngemäß gesagt:
“Alles, was diese Bilder aussagen ist, ich will ein Baby!”

Hmmm, lange her, sagen Sie?
Tja, ich hoffe, Sie haben Recht.

Es gibt da so ein paar interessante Fakten, wie zum Beispiel:

Marktpreise von Kunstwerken weiblicher Kunstschaffender sind niedriger als die eines gleichgestellten/gleichwertigen Künstlers – lebender wie toter übrigens.

Retrospektiven und Museumsausstellungen finden für Künstlerinnen erst viel später statt, bei ähnlicher Laufbahn im Vergleich zu einem männlichen Künstler.

Meine Lieblings-Seite zu dieser Art Thema ist

www.guerillagirls.com

was man jetzt leider kopieren und in den Browser einfügen muss, um zu dieser Seite zu kommen, weiss der Geier, warum man hier keine Links einfügen kann…aber es lohnt sich diese Seite zu besuchen – wenn man Humor hat.

“Kunstpreis oder der Preis, ein Künstler zu sein”

Auch für diesen Artikel gilt: Vor einigen Jahren zu einem konkreten Anlass verfasst und geschrieben, heute noch genauso aktuell für mich, daher in meinem Archiv.

Kunstwettbewerbe, Ausschreibungen, Kulturförderung etc. sind ein reichhaltiges Thema. Im Prinzip ist Kunst- und Kulturförderung eine gute Sache, aber … Auch in Nordhessen wird gefördert. Ein Hotel, das sich zusammen mit einer Agentur einen Kunstpreis ausgedacht hat, ist Ausgangspunkt für diesen Text.

I
Also, da flattert mir so ein Schreiben ins Haus, ein Hotel fordert professionelle Künstler und Künstlerinnen auf, Werke einzureichen. Davon werden dann mittels einer Jury einige ausgewählt und dann zeigen ALLE ausgewählten Kreativen ein Jahr lang 4 – 6 ihrer Arbeiten im Hotel (Lobby und Zimmer), zahlen die Versicherung aus eigener Hand und am Ende des Jahres wird der Preisträger ausgerufen. Der bekommt dann das Preisgeld von ein paar tausend Mark, dafür schenkt er dem Hotel eine Arbeit im Wert von 3000 DM (oder er bekommt einen kleineren Preis und ein Werk in Höhe von 3000 DM wird angekauft – das ist Ansichts- oder Definitionssache). Abbildungen seiner Arbeiten lässt der Künstler unentgeltlich für die Austellungsdauer zwecks Werbung zu. Ich schmeisse den Wisch weg.

II
Ein zweites Schreiben kommt an. Die Bedingungen sind leicht geändert worden, der Kunstschaffende zahlt jetzt doch nicht selber die Versicherung und es sollen auch nur zwei Arbeiten für ein halbes Jahr und dann zwei weitere für das zweite Halbjahr aufgehängt werden (nur in der Lobby). Ausserdem gibt es eine Vernissage, eine Midissage und eine Finissage. Hmm, schauen wir uns mal die Räume an: Grossgemusterter Teppich in sehr lauten Farben, die verhindern, dass man die Krümel sieht, die vom Esstisch fallen – der Speisesaal als Galerie. Indirekte Beleuchtung, pinkfarbener Satin über den Büffett-Tischen – alles in allem fällt es einem nicht schwer, was auch immer an der Wand hängt, zu übersehen. Ich beschliesse, meine Arbeiten dem nicht auszusetzen.

III
Die Vernissage: Ich erklimme die Treppe, da steht eine lange Schlange, gute Güte, so voll hier? Dann erkenne ich den Grund, am Eingang ein Tisch mit einem Schild, auf dem steht: “Bitte tragen Sie sich in die Anwesenheitsliste ein!” Ich fühle mich irgendwie genötigt. Die Vernissage ist gut besucht. Ich erkenne viele aus der “Kunstszene”, mir begegnen auch Künstler mit einem grossen Namensschild – aahh, das sind die Beteiligten. Es gibt einige Vorträge, einer davon erinnert an eine Wahlrede (da war doch was – demnächst…). Schliesslich kommt man zum Wesentlichen, der Künstlerförderung. “Wussten Sie, ” fragt die Vortragende, “dass der durchschnittliche Künstler in Deutschland nur 20000 DM im Jahr verdient?” “Was? So viel?” fragt entrüstet jemand neben mir, ich schaue hin, es ist jemand mit Schild – uups.

IV
Zur Midissage ist die Besucher- und Künstlermenge gelichtet. Einige Bilder wurden ausgetauscht, andere nicht. Weniger Rede, einen Teil glaube ich bereits zu kennen – eine schöne Laudatio auf den Preisträger wird gehalten, an der besten Stelle tönt eine aufdringliche Handy-Melodie durch den Raum und zwischendurch hört man Handwerkergeräusche. Ich kann nicht ausmachen, ob etwas verkauft wurde. Das Finissage-Datum ist der 31.12..

Nachsatz
Kunstförderung ist eine gute Sache. Aber wenn sich das Mäntelchen der Kunstförderung umgehängt wird, um kostenlose Werbung und dazu noch so gut wie kostenlose Dekoration durch Originalkunst für EIN Jahr zu haben, dann fange ich an am Wert der Aktion zu zweifeln. Die Forderung nach Ausstellungshonoraren mal beiseite gelassen: Die Ausstattung einer Räumlichkeit kostet bei einer Galerie selbst bei Anmietung der Werke, sehr viel Geld. Internationale Kontakte, die sich dadurch für den Ausstellenden ergäben, wurden mehrfach angepriesen – aber Hand auf’s Herz, würden Sie ein Kunstwerk kaufen, dass in einem Hotel in einer fremden Stadt hängt, in einem Raum, wo Sie vielleicht nur Ihr Frühstück einnehmen? Offen bleibt die Frage: War das ein netter Versuch, der etwas ungeschickt angegangen wurde, oder eine Aktion aus reinem Eigennutz der Veranstaltergemeinschaft?

“Der Preis der Kunst”

Neulich hatte ich mal wieder eine Ausstellung, es waren nicht meine Arbeiten, das heisst, in diesem Falle bin ich dann nicht mehr Künstlerin, sondern Galeristin – könnte man sagen.
Da kam eine Person herein, stellte mir viele Fragen und sah sich alles genau an. Kennen Sie das, wenn jemand Ihnen ständig das Gefühl gibt, mehr von Ihrem Job zu verstehen als Sie?
Egal, so was soll’s geben, aber dann sagte die Person: “Ich interessiere mich für diese Arbeit, Sie können Sie mir doch ruhig billiger geben, Sie müssen ja nicht davon leben…”

Diese Begebenheit brachte mich auf den Gedanken, mal ein paar Fragen und Betrachtungen in den Raum zu stellen.

Die Sache mit den Preisen von Produkten ist eine ganz spezielle Sache, besonders, wenn es keine Richtpreise gibt, wie das ja nun auf dem sogenannten Kunstmarkt der Fall ist. Was ein Liter Milch in Deutschland durchschnittlich so kostet, ist leicht festzustellen, bei einem Bild, einer Zeichnung sieht die Sache schon ganz anders aus.

Mal abgesehen vom Euro, der ja auch gerne Teuro genannt wird, was darf ich als Künstlerin denn für meine Arbeit berechnen?
Es ist wirklich Arbeit, wie alle Kunstschaffenden wahrscheinlich bestätigen werden, selbst wenn ein Werk in kurzer Zeit hergestellt wird, wieviel Arbeit hat es gebraucht so professionell zu werden?

Aber da sind weitere Fragen:
Berechtigt mich ein nachgewiesenes Studium, das heisst eins mit offizieller Bestätigung einer Universität desselben dazu, mehr Geld für meine Malerei zu nehmen?

Andersherum, auch wenn ich jahrelang an meinem Talent gearbeitet habe, was man am Ergebnis meiner Arbeiten sehen kann, aber keine offizielle Bestätigung der Universität habe, muss ich meine Arbeiten dann zu Schleuderpreisen hergeben?

Ist ein nachgewiesenes Studium wirklich ein BEWEIS für Kreativität und gute Arbeit?

Handeln Sie immer die Preise herunter? Auch beim Bäcker? Oder, wenn Sie sich ein ungerahmtes Poster bei einem Großhändler kaufen, das
a) kein Einzelstück ist
b) vermutlich nicht von jemand ist, den Sie persönlich kennen und
c) wahrscheinlich im besten Falle Erben bereichert, den möglicherweise toten Künstler aber nicht mehr.

Wieviel ist es Ihnen wert, dass in unserer Gesellschaft Kunstschaffende versuchen, diese zu verändern, zu bereichern oder etwas zu bewegen?

Gehen Sie auf Vernissagen, um Ihre Freunde oder “Kunst” zu sehen?

Glauben Sie, dass gute Künstler es schon schaffen werden oder würden Sie sie doch lieber dabei unterstützen?

Glauben Sie, dass gute Kunst nur in Museen und renommierten Galerien zu finden ist? (Was auch immer genau unter beidem zu verstehen ist)

Ist Kunst im Privatraum ein Statement, eine Lebensphilosophie oder eine Frage des Geschmacks und/oder des Innenarchitekten, den man beschäftigt?

Würden Sie eine staatliche Unterstützung für freie Kunstschaffende befürworten oder sollte es die nur für Institutionen und Vereine geben?

Erinnern Sie sich manchmal daran, daß Künstler, deren Bilder heute für aberwitzige Millionenbeträge verkauft werden, zu ihren Lebzeiten am Hungertuch genagt haben und vielleicht noch mehr Meisterwerke gemalt hätten, wenn Sie nicht Aushilfsjobs hätten machen müssen, um mal wieder etwas zu essen und Leinwand kaufen zu können?