“Was ich liebte” von Siri Hustvedt

Meine Neigung, Bücher die mit Kunst zu tun haben, zu lesen hat mich zu diesem Roman geführt. Obwohl es hier um keinen real existierenden Künstler geht, mag ich auch solche Roman-Protagonisten. Hinzu kommt noch die Kombination eines Künstlers und eines Kunsthistorikers – spannungsreich.
Ich mag ja Paul Auster, den Ehemann der Siri Hustvedt auch sehr. Beide Schreibstile unterscheiden sich aber bemerkenswert voneinander, das finde ich sehr interessant.
Auster empfinde ich als surreal angehaucht, mit einer Neigung zu “hysterisch-neurotischen” Protagonisten – im weitesten Sinne – während dieser Roman von Hustvedt sehr ruhig fliessend ist, wenn gleich das beklemmend neurotische auch hier zum Tragen kommt, aber ganz anders aufgebaut wird.

Der Roman
Die Lebensgeschichten zweier Familien mit Künstler- und Akademikerhintergrund sind hier schicksalshaft miteinander verknüpft.
Lebensentwürfe werden gemacht, zum Teil auch verwirklicht und dann zerstört durch den Lauf der Dinge, Schicksal eben.
Wie gehen diese Menschen damit um? Davon handelt dieses Buch, nebenbei werden uns künstlerische, kunstgeschichtliche und psychologische Hintergründe und Details spannend vermittelt.
Der Roman hat etwas fließendes, ruhiges, was ich sehr schätze, gewinnt aber irgendwann noch an unheimlichen, psychodramatischen Momenten dazu – faszinierend, wie die Schriftstellerin diesen Bogen überzeugend schlägt.

Fazit
Ich finde dieses Buch wirklich großartig und werde es sicherlich noch ein zweites Mal lesen.

With Gilbert & George – der Film

Neben dem, dass ich gerne Künstlerbiographien lese, sehe ich mir auch gerne Filme über Kunst und Künstler an.
Zum Beispiel habe ich kürzlich “With Gilbert und George” gesehen.

Ich wusste voher nicht viel über die beiden, außer dass es sie gibt und kannte einige ihrer berühmteren Werke.
Das wirklich Besondere an diesem Film ist, dass er die beiden über mehrere Jahre verfolgt, von der Studentenzeit über ihre ersten Erfolge bis hin zu den letzten Jahren. Es gibt Interviews bei den beiden Zuhause, Bilder ihrer Ausstellungen an verschiedenen Orten dieser Welt, Statements und Gedankengänge. GROßARTIG!

Man lernt die beiden sowohl menschlich als auch künstlerisch besser kennen, lernt ihren Humor zu schätzen und als Künstler wie als Mensch denkt man sich vielleicht auch, wie schön aber auch schwierig es sein kann, immer zu zweit zu sein: Als Paar, als Künstlerpaar, als Kunstwerk… Ganz abgesehen von der Problematik der bekennenden Homosexualität vor Jahrzehnten, ob nun in der Kunst oder einfach so in der Welt.
Wirklich sehenswerter Film, wie ich finde, gibt es seit einiger Zeit auch auf DVD.

Rezension: Bis ans Ende der Meere – die Reise des Malers John Webber mit Captain Cook

Noch ein Roman aus meiner langen Liste an Literatur im Zusammenhang mit Malerei, den ich gelesen habe. Dieses Buch ist in diesem Jahr erschienen und wurde auch im ZEIT-Literatur-Magazin besprochen.

Die Geschichte
Die auf Fakten beruhende aber in großen Teilen erdichtete Geschichte des englischen Malers mit schweizerische Hintergrund – John Webber – wird hier erzählt.
Die Fotografie gab es in den Jahren 1776 bis 1780 noch nicht und so nahmen Zeichner an Expeditionen teil, um alles Wichtige festzuhalten.
Einige Motive darf der Maler allerdings nicht “wahrheitsgemäß” im Bild festhalten, um dem Publikum und der Nachwelt nur genau das zu hinterlassen, was James Cook für richtig hält und das britische Königreich gut aussehen lässt.
Es handelt sich um die dritte und letzte Südsee-Expedition von James Cook, die er nicht überleben wird.

Fern der Heimat
Mehr als drei Jahre verbringen die Männer auf See, die Bedürfnisse der Mannschaft auf engstem Raum bleiben nicht verborgen, Intrigen und Freundschaften werden auf engstem Raum geteilt. Dann, am 14. Februar 1779 stirbt Cook auf einer Hawaii-Insel, er wird ermordet.
Nach vier Jahre kehrt John Webber nach England zurück, aber die Reise hat ihn verändert, die Sehnsucht nach der Südsee und einer schönen und edlen “eingeborenen” Prinzessin lässt ihn nicht los.
Das Abbild dieser Dame ziert übrigens das Cover. Alt wird der Maler nicht, mit 42 Jahren stirbt er, verbittert oder zumindest desillusioniert.

Fazit – Lukas Hartmann: Bis ans Ende der Meere…
Der schweizer Autor Lukas Hartmann hat einen fesselnden historischen Roman und eine aufregende Reisebeschreibung entworfen. Geschickter Einsatz von Fakten und Fiktion schlüssig verknüpft und sprachlich weit besser als viele andere historische Romane.