Buch Elise Polko Künstlermaerchen

Lesen über Kunst

Zeiten wie diese: Zeit zum Malen, Zeit zum Lesen – sonst lese ich auch, aber in Zeiten wie diesen nehme ich auch mal ein Buch, für das ich beim Lesen etwas mehr Zeit brauche, weil es nämlich in Frakturschrift gedruckt ist.

Ich lese gerne Bücher über KünstlerInnen, es gibt ja mittlerweile mehr Bücher über Kunst, neben kunstgeschichtlichen Werken auch mehrere Romane. Aber traurigerweise sind viele Werke über Künstler staubtrocken oder auch langweilig, da wird erzählt, wie und was der Künstler gemalt (ich lese hauptsächlich über Maler/innen) hat, vielleicht noch mit welchen Materialien gearbeitet wurde, ganz wichtig heute: Wen er/sie kannte und das er/sie mal die gleiche Luft wie ein WIRKLICH berühmter Zeitgenosse aus der Kunstszene geatmet hat….alles schön und gut, interessiert mich auch, aber mich interessiert eben noch mehr etwas über die Persönlichkeit des Kunstschaffenden, gerne auch ein paar Informationen über die mit der Person verbundenen gesellschaftlichen Bedingungen – das findet man selten.

Aber in der alten Literatur aus dem 19. Jahrhundert bin ich fündig geworden: Elise Polko – Künstlermärchen und Malernovellen. Ich habe es bei meinem Nachbarn auf der anderen Seite des Kanals, dem Antiquariat Buch Schäfer gefunden, ich stöbere da immer gern und fand dort das Buch, dass sich mit Begebenheiten um Maler beschäftigt. Dürer, Rembrandt, Rubens und van Eyck und einige mehr – auch Malerinnen übrigens. Die Geschichten sind sicher ein wenig ausgeschmückt und romantisiert, aber lesen sich sehr unterhaltsam mit dem leicht altmodischem Flair.
Was mir beim Lesen auffällt ist, wie sehr ich das Bild des Künstlers im Wandel der Zeit verändert hat.

Künstler waren – so scheint es mir nicht nur beim Lesen dieses Buches – damals viel selbstverständlicher in der Gesellschaft integriert, Kunst – auch als Handwerk betrachtet, war den Menschen näher, Häuser (innen und außen) wollten bemalt werden, Schilder und Schilde, Dekorationen und Porträts…all das neben den oft kirchlichen Aufträgen von auch mal großem Umfang. Natürlich fand man die Künstler und Künstlerinnen auch durchaus “speziell” aber sie gehörten dazu, auch ihre Ideen zu anderen Themen waren gefragt, diplomatische Aufgaben wurden ihnen durchaus auch mal anvertraut. Natürlich ändern sich die Dinge und die Gesellschaft, mal vorteilhaft, mal weniger vorteilhaft: Für mich ein spürbarer Wandel im Vergleich zu heute.

Wer also wie ich, gerne mal ein bißchen bunter und menschlicher beschrieben liest, dem kann ich das Buch nur ans Herz legen, wie ich festgestellt habe, ist es mehrmals aufgelegt worden und erfreut sich wohl immer noch einiger Beliebtheit – zurecht.