Landschaftsbild "Irrweg" von Ariane Zuber, Öl auf Leinwand

Landschaftsmalerei als Erinnerung

Der ursprüngliche Gedanke der Landschaftsmalerei war sicherlich zuallererst das Abbilden einer realistischen Situation, die Beschreibung eines Ortes und dessen Besonderheiten. Ich muss jedoch zugeben, dass das nicht unbedingt mein Bestreben war und ist, wenn ich eine Landschaft male oder zeichne, auch wenn ich es natürlich durchaus gelegentlich genauso mache.

Mehrfach schon erwähnte ich, wie inspirierend ich die Landschaft des Reinhardswaldes und des Sollings finde und wie wichtig mir die Natur und der Aufenthalt darin ist. Dabei fällt mir aber immer wieder auf, wie unterschiedlich ich denselben Ort wahrnehme, wann immer ich ihn wieder besuche. Zwar bleiben bestimmte physische Merkmale gleich, aber die Wirkung und das Zusammenspiel vieler Faktoren löst unterschiedliche Wahrnehmung und Gewichtung aus. Daraus ergeben sich manchmal Veränderungen der bildlichen Realität.

Über die Wahrnehmung

Das finde ich spannend, deshalb gehe ich auch gerne öfter an denselben Ort und überprüfe meine Wahrnehmung.
Oft beobachte ich dabei auch Menschen, die – genau wie ich – wandern oder Fahrrad fahren, aber deren Verhalten sieht ganz anders aus – sie halten kurz an, zücken ein Handy und knipsen (anders kann man es nicht nennen) die Aussicht, wenden sich sofort wieder ab und suchen den nächsten Reiz, den nächsten Fotohaltepunkt. Sie schauen meines Erachtens gar nicht richtig hin, sie nehmen sich keine Zeit für die Stimmung des Augenblicks. Ich frage mich dann oft, was das soll… Strecke als Fotowettbewerb für die nächste Gesprächsrunde? Wo bleibt der Moment des Innehaltens, der inneren Einkehr, die Reflektion? Gleichzeitig klagen viele über fehlende Ruhe und zuviel Stress. Kein Wunder, wenn man sich in der Freizeit so unter Druck setzt, finde ich.
Wenn ich den Gedanken weiter verfolge, komme ich zu Fragen wie: Warum muss ich (beispielsweise) auf dem Jakobsweg wandern, um spirituelle Erfahrungen zu machen, anstatt im Wald meiner Region einen abegelegeneren Weg zu gehen und mich dort zu besinnen, Ruhe zu finden oder einfach nur zu atmen? Wieviele einfache, kleine Momente des Glücks, des Staunens, der Besinnung wären möglich, wenn man nicht meinen würde, nur auf dem höchsten Berg am entlegensten Zipfel irgendeines Kontinentes – oder wo auch immer – ist es dann soweit? Und da knipst man dann auch nur mal eben die Aussicht und sieht und spürt eigentlich NICHTS.

Zurück zur Malerei

Deshalb zeichne ich gerne die Natur, oder male sie, nicht immer vor Ort, aber manchmal und sonst schnell, wenn ich wieder Zuhause bin. Erinnerungslandschaften.
Im Laufe der Geschichte der Landschaftsmalerei entstanden neben Veduten auch Landschaften, die idealisiert oder heroisiert wurden, oder aufgeladen mit Symbolik, um geistige Prozesse anzuregen.
In meinen Bildern finden sich oft Teile verschiedener Wanderungen, zusammengefügt aus Fragmenten, die meine gefühlten Eindrücke spiegeln. Die genaue Abbildung einer Landschaft interessiert mich nur bedingt, da mir die Natur mancherorts so zerlegt – wie verletzt – erscheint, zerrissen durch menschliche Eingriffe, oft lieblos behandelt, ge- oder benutzt aber nicht gewürdigt…gleichzeitig birgt sie soviel Zauber, so viele Geheimnisse und Inspiration. Deshalb füge ich gerne auch mal zusammen, was in der heutigen Realität so nicht mehr existiert. Symbolische Aufladung ist gar nicht mal mein Ziel, aber wenn ich dann auf die Leinwand bringe, was sich zeigen will, ergibt es sich manchmal. Bei diesem Bild hier ergab es sich so, der einzig passende Begriff, der sich mir darbot, ist Irrgang. 60×80 cm, Öl auf Leinwand.

Gemälde von August Schenck aus Privatbesitz, Foto von Ariane Zuber

Der Tiermaler August Schenck

Wie ja die meisten wissen, teile ich mein Atelier mit Antiquitäten und Landschaftsgemälden vorwiegend aus der Zeit Anfang 20. Jahrhunderts. Hin und wieder kommen aber auch mal ältere Gemälde ins “Sortiment”.
Seit kurzem beherberge ich im Atelier-Laden zwei sehr schöne und authentisch gerahmte Gemälde von August Schenck in Kommission zum Verkauf. Ich kannte den Maler bislang eher weniger, da ich nicht so der Tierbilder-Fan bin und schon gleich gar nicht von Schafen mit Hirten, ABER der Herr Schenck hat mich überzeugt, das Tiermalerei-Genre mit mehr Aufmerksamkeit zu bedenken und das hier gezeigte Schafsbild finde ich einfach klasse.

Warum ich dieses Bild großartig finde…

Zum Einen ist es hervorragend gemalt, sehr gekonnt eben, zum Anderen beinhaltet dieses Bild viele Beziehungen – die Beziehung des Schäfers zu der Schäferin am Horizont hinten rechts für die Romatikerin in mir, die Beziehung der Schafe untereinander: eine kuschelige Familie sozusagen und die Beziehung des Hundes zu seinem Hirtenherrchen – grandios, wie der Künstler dieses für mich komplexe Stimmungsbild in gekonnter Malweise in einem einzigen Bild untergebracht hat.

Über den Maler August Schenck (1828-1901)

Er wurde im April 1828 in Glückstadt geboren, er begann als „Weinreisender“ in Deutschland, Russland und Portugal und lebte davon recht einträglich. Nach einigen Jahren verließ er jedoch Portugal in Richtung Paris, um sich zum Maler ausbilden zu lassen. Mit 34 Jahren debütierte er als Maler bei der Weltausstellung in Paris 1855. Neben der französischen Malerin Rosa Bonheur war er der gefragteste Tiermaler, selbst die Kaiserin Sissi oder die Prinzessin Mathilde wollten seine Bilder.
Tatsächlich waren auch die Schafsbilder von ihm am beliebtesten, Schafe im Schneesturm, Schafe und Schäfchen in Bedrängnis, Schafe und Raben und so weiter. Der Mann liebte eben Schafe und auch alle möglichen anderen Tiere, der Bildhauer Ernst Barlach hat Schenck einst in Frankreich besucht und beschrieb ihn wohl als streitbaren alten Mann mit Unmengen von Tieren aller Art auf seinem Anwesen – vielleicht mochte der Herr Schenck ja lieber Tiere als Menschen und konnte sie deshalb so wunderbar malen. Man sagte von ihm er fände mehr Lieblichkeit in Schafen als in Frauen – das mag stimmen, wenn ich mir das Bild so anschaue…Zu Lebzeiten verkaufte er sehr gut, seine Arbeiten brachten umgerechnet bis zu 16000 Euro, habe ich gelesen.

Dort, wo sein einstigens Anwesen stand, dass es heute leider nicht mehr gibt, benannten die Franzosen die Straße 1906 in Rue August Schenck um. Bedeutende Museen erwarben die Werke von August Schenck, viele Ehrungen wurden ihm zuteil.  Der Maler starb am 1. Januar 1901, sein Grab kann man in Écouen finden.

Gemäldereinigung Ariane Zuber

Rathaus Bad Karlshafen – Gemäldereinigung

Hin und wieder kommt mal jemand mit einem alten Bild vorbei, um es reinigen zu lassen. In diesem Falle war es ein altes Gemälde des Rathauses am Hafen von Bad Karlshafen mit dem mittlerweile längst vergangenen Wiegehäuschen. Leider ist das Ölbild unsigniert, so dass man nicht sagen kann, ob es eventuell von Herbert Mager, dem hier einst ansässigen Maler gemalt wurde oder von wem auch immer…

Ein expressionistisches Werk, was für damalige Zeiten sehr modern gemalt ist. Jetzt – nach der Reinigung – kommen die Farben wieder voll zur Geltung…

Mondnacht, Ariane Zuber, Öl auf LEinwand, 50x60 cm

Vollmond und Rhythmus

Der Vollmond kürzlich, auch Blutmond genannt, war ja in aller Munde und man konnte ihn bzw. die Mondfinsternis ja auch gut sehen, da es nicht bedeckt war – beeindruckend schön.
Immer wieder hört man, dass der Mond Auswirkungen hat, der Eine kann nicht schlafen, die andere wird launisch, der Nächste wiederum vermeint, gar nichts zu merken.
Ich selbst mag den Mond-Rhythmus: Zunehmen, abnehmen, erhellen, verdunkeln in beruhigender Regelmäßigkeit, wie ich finde. Je nach Gemüts- und Lebenslage wirkt der Mondstand dann auch auf mich und das mag ich meistens auch.
Wenn ich dann tatsächlich mal nicht schlafen kann, male ich – gedanklich oder real im Skizzenbuch oder an der Leinwand. Sich dann aufzuregen, ist ja auch kontraproduktiv… So ist mir beim letzten Vollmond ein Bild aus dem Pinsel geflossen: Mondnacht, 50×60 cm, Öl auf Leinwand.

Ausblick -Malerei von Ariane Zuber, 60x80 cm

Im Märchenland Nordhessen…

Mit Erstaunen habe ich gesehen, wie lange mein letzter Beitrag schon her ist, nun ja, manchmal vergeht die Zeit eben wie im Fluge…hier in alter Frische mit neuem “Tagtraum” auf Leinwand.

Ich habe mich dem Thema Ausblick gewidmet, gerne genommen, wenn ein Neues Jahr beginnt – aber hier ein märchenhafter Ausblick von einem märchenhaften Ort. Es ist wieder mal ein Bild so richtig zwischen Tag und Traum, inspiriert von meinen letzten Ausflügen zu den Externsteinen und diversen Burgruinen in der näheren Umgebung. Ich staune immer wieder, wieviele Burgen, Türme, Mäuerchen sich hier irgendwo Im Wald oder Urwald verwunschen aussehend in der Landschaft Nordhessens und den angrenzenden Gebieten entdecken lassen…