Orffyreus alias Johann Ernst Elias Bessler in Bad Karlshafen

Für die Alchemie hatte ich schon immer was übrig, das geheimnisvolle Experimentieren mit seltsamen Ingredienzien, das Erfassen verborgener Zusammenhänge – spannend.

Bad Karlshafens Alchemist

Hier angekommen erfuhr ich, dass es hier eine solch spannende Gestalt gab: Orffyreus oder auch Johann Ernst Elias Bessler.
er wurde 1681 in Zittau geboren und starb am 30. November 1745 in Fürstenberg unter nicht ganz geklärten Umständen.
Sein abenteuerliches Wanderleben bescherte ihm Kenntnisse in der Medizin und besonders in Uhrmacherei und in der Mechanik, die schon immer seine Lieblingsdisziplin war. Nach einer „Wunderheilung“ in Annaberg heiratete er eine Tochter des Bürgermeisters und Stadtarztes Barbara Schuhmann und gewann damit auch eine stattliche Mitgift. Damit baute er um 1712 in Gera ein erstes „Pepetuum mobile“ um es öffentlich vorzuführen.
Diesem Perpetuum Mobile folgten weitere, natürlich wurde Orffyreus angefeindet, aber auch geschätzt und für glaubwürdig befunden. Entgegen den Betrugsvorwürfen erhielt Orffyreus einen Ruf an den Hof des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel (1654- 1730), einem großen Förderer der Künste und Wissenschaften und bestätigte offiziell im Jahre 1718 schriftlich, dass das Perpetuum Mobile zwei Monate lang ohne Zufuhr von äußerer Energie gelaufen sei. Orffyreus publizierte im Oktober 1719 in Kassel das in deutscher und lateinischer Sprache verfasste Buch „Das triumphierende Perpetuum Mobile“ . Natürlich bestand an Besslers Erfindung europaweit großes Interesse, selbst der Zar Peter der Große wollte das Perpetuum Mobile untersuchen lassen und möglicherweise kaufen.

Mit dem Schiff nach Bad Karlshafen

Anno 1721 zog Orffyreus per Schiff über Fulda und Weser nach Karlshafen um, wo er mit seiner Familie im Haus direkt neben dem Packhaus, dem heutigen Rathaus lebte. Orffyreus schrieb unzählige Bittbriefe an Karl, die zum Teil heute noch in der Murhardschen Bibliothek in Kassel liegen, er bat um Geld, um das Perpetuum Mobile „ins Große“ bauen zu können aber leider war das Interesse des Landgrafen gering. Warum? Weil die Magd Anna Rosina Mauersberger 1725 aus seinem Hause nach Kassel floh, und dem Landgrafen schriftlich mitteilte, das Perpetuum mobile sei nichts als Betrug. Diese Aussage bestätigte sie ausführlich in einem polizeilichen Verhör, das der Landgraf anordnete. Darauf ließ es Karl von Hessendann beruhen, ein aufsehenerregender Prozess hätte ihn womöglich zum Gspött an europäischen Adelshöfen gemacht. 1745 starb Bessler mit 65 JAhren, bei Arbeiten an einer Windmühle in Fürstenberg an der Weser durch einen Sturz in die Tiefe, er hatte eine Mühle konstruiert, die die dort häufig herrschenden Aufwinde durch ein sich horizontal drehendes Flügelrad nutzen sollte.

Mehr als eine schöne Geschichte…

Eine spannende Persönlichkeit also an diesem historisch wertvollen Ort. Im Rahmen meiner Veranstaltungen im Atelier wurde auch schon einen Vortrag zu dem Hern Bessler gehalten und in der Ausstellung „Schöne Geschichten“, die letztes Jahr im Rathaus Bad Karlshafen stattfand, haben die Künstlerin Almut Rybarsch-Tarry und ich zusammen das Thema bearbeitet. Mein Bild zeigt das Rathaus Bad Karlshafen in  rosa Sandstein, hoch aufragend hinter Orffyrreus in einer Gondel, in seiner Hand hält er das Kästchen mit dem Geheimnis des Bessler-Rades bzw. Perpetuum Mobiles. Davor sitzt Anne Rosina, die verräterische oder verleumderische Magd mit einem Hamsterrad.

Mein Bild ist in Ei-Tempera- und Ölfabe auf Leinwand gemalt, die Figur in der üblichen Arbeitsweise von Almut Rybarsch-Tarry sehr fein ausgearbeitet.

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